13 wichtige Hochzeitsbräuche die du kennen musst

Titelbild Hochzeitsbräuche in Kärnten

Eine Auflistung und Erklärung der 13 beliebtesten und wichtigsten Hochzeitsbräuche in Kärnten.

Bräuche sind das Salz in der Hochzeitssuppe

Heiraten in Kärnten ist schön. Nicht nur, weil eine Hochzeit in Kärnten wegen der Location, umgeben von Bergen und/oder Seen traumhaft ist. Auch die Vielzahl der Hochzeitsbräuche in Kärnten trägt zum Flair einer echten „Kärntner Hochzeit“ bei. Hast du gewusst, dass sich der Spruch „Unter die Haube kommen“ direkt von einem alten Kärntner Brauchtum ableitet? Nein? Hier die Erklärung: Früher durften nur unverheiratete Frauen ihr Haupthaar offen tragen. Verheiratete Frauen trugen immer eine Haube und mussten ihr Haar hochstecken. Erst wenn die Brautmutter nach der Trauung der vor ihr knieenden, frisch verheirateten Tochter die Brauthaube aufgesetzt hat, galt die Ehe gemeinhin als gültig.

Bräuche und Traditionen stiften auch heute noch Identität und vermitteln Zugehörigkeit. Hochzeitsbräuche sind für eure Gäste durchaus interessant – besonders für jene, die den Brauch nicht kennen, weil sie so einen Einblick in die Kultur des Landes bekommen. Sie sind gewissermaßen das Salz in der Suppe.

Die folgende Auflistung erklärt die 13 beliebtesten und wichtigsten Hochzeitsbräuche in Kärnten. Viele davon gelten übrigens auch im Rest von Österreich. Um den ein oder anderen Brauch kommst du bei eurer Hochzeit wohl nicht herum, also bereite dich ein bisschen darauf vor.

Hochzeitsbräuche vor der Hochzeit

Brautbitten

Früher war es üblich, dass der Bräutigam bei den Eltern der Braut um ihre Gunst wirbt. Speziell in Oberkärnten und im Gailtal konnte sich der „Bewerbungsprozess“ eine ganze Weile hinziehen. Nie wurde das Thema Heiraten direkt angesprochen, sondern „immer um den heißen Brei“ herumgeredet. Auch die Antwort war nie ein direkt ausgesprochenes Ja oder Nein. Es wurde in Form von Speis und Trank geantwortet. Sauerkraut, gestockte Milch und Co galten als Nein, Speck, Schinken und Würste als Ja. Heutzutage ist dieser Hochzeitsbrauch in Kärnten etwas aus der Mode gekommen und wird vereinzelt nur mehr in sehr ländlichen Gegenden praktiziert.

Unser Tipp: Es schadet sicher nicht, sich vor einer Verlobung die Gunst der Brauteltern zu sichern. Einfach direkt fragen ist heute in Ordnung. Der Rahmen kann ruhig etwas feierlicher sein. 😊

Etwas Blaues, etwas Altes, etwas Neues, etwas Geborgtes

Das ist wohl der am weitesten verbreitete Hochzeitsbrauch Kärntens und auch halb Europas. Die Braut trägt am Hochzeitstag alle vier Dinge mit sich herum. Etwas Blaues steht für die Treue (meistens ist das Strumpfband blau). Etwas Altes weist auf das Leben der Braut vor ihrer Hochzeit hin. Hier wird meistens ein vererbtes Schmuckstück genommen. Etwas Neues steht für die rosige Zukunft, die das Ehepaar erwartet. Etwas Geborgtes ist ein Symbol für Freundschaft. Auch hier borgt sich die Braut oft von der besten Freundin oder Trauzeugin ein Schmuckstück aus. Dieser Hochzeitsbrauch ist in Kärnten nach wie vor aktuell. Um den kommst du also nicht herum. Besonders, wenn es sich um eine Trachtenhochzeit handelt.

Hochzeitsbräuche am Tag der Trauung

Rausschießen

Dieser traditionelle Hochzeitsbrauch ist in Kärnten speziell am Land noch sehr weit verbreitet. Durch Böllerschüsse wird die Braut früh morgens aus den Federn geholt. Dafür verantwortlich sind oft Freunde und Nachbarn aus der Dorfgemeinschaft. Der Lärm vertreibt böse Geister und grüßt gleichzeitig die Braut. Also rechtzeitig schlafen gehen!

Unser Tipp: Informier die unmittelbaren Nachbarn und das Gemeindeamt über eine eventuell laute Schießerei früh morgens.

Die Maut

Wenn es einen Hochzeitsbrauch gibt, der speziell mit Kärnten verbunden wird, ist es wohl die Maut. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine Wegsperre, die Braut und Bräutigam am Weg zum Standesamt oder zur Kirche erwartet. Das Brautpaar muss „Wegzoll“ zahlen. Das geschieht in Form von Aufgaben, die erledigt werden müssen. Porzellanscherben aufkehren, eine Wiese mähen, einen Baumstamm zersägen, hier gibt es viele Möglichkeiten. Oft wird auf die Berufe oder das engere Lebensumfeld der Brautleute Bezug genommen. Eine Schneiderin wird etwas nähen müssen, ein Tischler etwas hobeln usw… Heute ist die Maut nicht zwingend vor der Kirche oder dem Standesamt, sie ist auch nach dem Auszug aus der Kirche und vor der Agape möglich. Achtung, die Maut-Aufgaben können richtig anstrengend sein! Gerne wird auch ein großes Leintuch aufgespannt, aus dem dann mit einer stumpfen Nagelschere ein vorher aufgemaltes Herz ausgeschnitten werden muss.

Spalier stehen

Dieser Hochzeitsbrauch ist nach der Trauung in der Kirche üblich. Er wird auch in ganz Österreich bei praktisch jeder Hochzeit zelebriert. Wird nicht kirchlich geheiratet, geschieht er beim Auszug aus dem Standesamt oder nach dem Ringtausch, wenn ihr zum Beispiel outdoor heiratet, so wie wir das getan haben. Die Gäste stehen links und rechts vorm Ausgang oder wo es halt passt und bilden einen Tunnel. Ihr müsst dann da durch. Oft kommen dabei auch Seifenblasen, Bänder, die geschüttelt werden oder Reis zum Einsatz. Dieser Brauch zeigt, dass Freunde und Familie immer an der Seite des Brautpaares sind.

Unser Tipp: Das Spalier stehen ist ein wunderbares Fotomotiv. Bitte euren Fotografen, das unbedingt bildlich festzuhalten.

Agape

Die Agape gehört zu den wichtigen Hochzeitsbräuchen nach der Trauung in der Kirche. Sie ist in Kärnten ein traditionell unverzichtbares Element bei Hochzeiten. Sie findet fast immer in der Nähe der Kirche oder des Standesamtes, oder wo auch immer ihr euch verheiraten lasst, statt. Agape kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet in etwa „göttliche Liebe“. Die Agape leitet den entspannten, weniger zeremoniellen Teil der Hochzeit ein. Früher diente er dazu, mit den Gästen, die nicht zur späteren Feier eingeladen sind, anzustoßen. Traditionell reicht man bei der Agape nur Wein und Brot. Heute ist das allerdings nicht mehr so streng. Wir hatten bei unserer Hochzeit zwei Sorten warmes Risotto, das füllt den Magen und lässt die Gäste nicht bis zum Hochzeitsessen hungern.

Unser Tipp: Die Agape ist die ideale Gelegenheit für Glückwünsche an das Brautpaar. Auch die Gäste lernen sich in lockerer Atmosphäre ein bisschen kennen. Plane für die Agape mindestens (!) 90 Minuten ein.

Brautstrauß werfen

Der weltweit bekannteste Hochzeitsbrauch. Wer kennt sie nicht, die unzähligen, im Internet verfügbaren Videos von übermotivierten und heiratswilligen Single-Frauen, die sich für Sträußchen Blumen fast die Köpfe einschlagen? Scherz beiseite, aber dieser Brauch macht Spaß. Er besagt, dass die Fängerin die nächste ist, die heiratet. Statistiken dazu gibt’s allerdings keine 😉. Das Brautstraußwerfen findet oft zu späterer Stunde statt, wenn die Gäste schon leicht einen sitzen haben. Die Braut lässt alle unverheirateten Damen hinter ihr Aufstellung nehmen und wirft den Strauß [Partnerlink] dann rückwärts über den Kopf.

Unser Tipp: Wenn’s nur 2-3 unverheiratete Damen gibt, wandelt den Brauch etwas ab, damit es lustiger wird. Nehmt dann zum Beispiel die unverheirateten Männer dazu, wenn ihr wollt.

Hochzeitskerze anzünden

Die Hochzeitskerze ist ein alter Brauch, der bereits seit dem Mittelalter praktiziert wird. Die Hochzeitskerze steht – wie kann’s auch anders sein – für Wärme und Geborgenheit. Früher trug ein Trauzeuge die Kerze beim Einzug in die Kirche, heute wird sie eher als Dekoelement eingebaut und schon vorher am Altar platziert. Nach der Predigt wird die Kerze gemeinsam von Braut und Bräutigam angezündet. Üblicherweise ist die Hochzeitskerze mit den Namen des Brautpaares und natürlich dem Hochzeitsdatum verziert. Zu besonderen Anlässen wie dem Hochzeitstag wird die Kerze dann wieder angezündet. Wir haben unsere Kerze (auch wenn wir nicht kirchlich geheiratet haben) beim Kerzenonkel bestellt. Die Kerzen sind wunderschön und werden nachhaltig und vegan (!) produziert.

Brautstehlen

Das Brautstehlen ist in Österreich, speziell aber in Kärnten ein sehr beliebter Hochzeitsbrauch. Besonders in ländlichen Gegenden ist er ein Fixpunkt der Hochzeitsfeier. Freunde, Verwandte und Bekannte entführen „aufmerksamkeitswirksam“ die Braut und feiern bzw. trinken mit ihr in einer vorher abgesprochenen Gastwirtschaft. Das geschieht meistens nach dem Hochzeitsessen aber noch vor Mitternacht. Der Bräutigam muss sich nach einiger Zeit auf die Suche nach seiner Braut machen. Hat er sie gefunden, löst normalerweise der Trauzeuge die Braut aus, indem er alle konsumierten Getränke zahlt. Es kommt aber auch vor, dass der Bräutigam die Braut mit einem Versprechen (zum Beispiel einen Monat lang allein zu kochen oder zu bügeln…) auslösen kann.

Unser Tipp: Sorg dafür, dass das Brautstehlen nicht zu lange dauert. Denn für diese Zeit ist die Hochzeitsgesellschaft zerrissen. Und das willst du doch nicht, oder?

Strumpfband/Brautschuh versteigern

Dieser Hochzeitsbrauch ist in Kärnten weit verbreitet. Er dient dazu, die Portokassa des Brautpaares etwas aufzufetten. Er findet meistens im Rahmen des Hochzeitsessens noch vor der Hochzeitstorte statt. Die Versteigerung ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist sie äußerst unterhaltsam, andererseits bringen die Gäste sowieso Hochzeitsgeschenke mit, die oft nicht billig sind. Es entsteht hier manchmal der Eindruck, dass nur Geld gemacht werden will. Bei der Versteigerung präsentiert die Braut das Strumpfband vor den versammelten Gästen. Ein vorab gekürter Auktionator leitet die Versteigerung. Üblicherweise bieten Bräutigam, Brautvater und Trauzeuge kräftig mit, um Schwung in die Sache zu bekommen.

Unser Tipp: Wenn dir dieser Brauch unangenehm ist, lass ihn weg. Sollte er dennoch stattfinden, sorg dafür, dass der Auktionator weiß, welche Art der Versteigerung anzuwenden ist und diese auch erklären kann. Beliebt ist die Amerikanische Versteigerung.

Hochzeitstorte anschneiden

Standardbrauch auf jeder Hochzeit: das Anschneiden der Hochzeitstorte durch das Brautpaar. Hier wird von den Gästen darauf geachtet, wessen Hand auf dem Messer oben liegt. Der- oder diejenige hat in der Beziehung dann die Hosen an. Das Brautpaar füttert sich dann noch schnell gegenseitig mit dem ersten Bissen, dann ist dieser Hochzeitsbrauch auch schon erledigt.

Unser Tipp: Angeblich bringt es Unglück, die Torte ganz oben oder ganz unten anzuschneiden. Legst du Wert auf sowas, schneide die mittlere Lage an.

Der Hochzeitstanz

Der Hochzeitstanz oder Hochzeitswalzer ist ein Brauch, der in Kärnten und auch in Restösterreich zum guten Ton dazugehört. Das Brautpaar eröffnet die Tanzfläche offiziell, indem es einen langsamen Tanz (meistens ein Walzer) tanzt. Dieser Brauch dient auch dazu, dass Hochzeitsessen abzuschließen und den nächsten Teil der Hochzeitsfeier – nämlich das Tanzen zu eröffnen. Heute können allerdings die wenigsten Leute noch richtig tanzen. Das Publikum ist Gott sei dank heutzutage aber auch nicht mehr so streng 😊.

Unser Tipp: Wenn ihr keine Profitänzer seid und richtig glänzen wollt, besucht rechtzeitig einen Tanzkurs. Wenn ihr klassisch mit einem Walzer anfangt und dann plötzlich die Musik ändert und auch den Tanzstil Richtung Rockklassiker, sorgt dass sehr für Erheiterung.

Hochzeitsbräuche nach der Hochzeitsfeier

Wohnung/Haus/Zimmer verrammeln und/oder verwüsten

Dieser Hochzeitsbrauch ist der Schlimmste. Meist geht dieser von euren Freunden aus. Es werden Sachen versteckt, Wassergläser gefüllt und überall verteilt, das Geschirr beschmutzt, Betten demontiert und mit Möbeln der Zugang zum Schlafzimmer verbarrikadiert. Die Möglichkeiten sind endlos. Dieser Brauch soll das Ehepaar auf die Widrigkeiten der Ehe vorbereiten. Wir wurden davon nach unserer Hochzeit überrascht. Gottseidank war es „nur“ das Hotelzimmer. Aber glaub‘ uns, das Letzte was du nach einem echt anstrengenden und langen Hochzeitstag brauchst, ist zusätzliche Arbeit auf dem Weg in euer wohl verdientes Bett!

Unser Tipp: Versuch‘ diesen Brauch zu verhindern. Nehmt euch ein Hotelzimmer für die Hochzeitsnacht. Gebt eure Haus- oder Wohnungsschlüssel ja nicht aus der Hand. Fordert auch eventuell verliehene Ersatzschlüssel zurück.

Morgengabe

Die Morgengabe ist ein sehr schöner Hochzeitsbrauch. Früher diente er dazu, die Braut finanziell abzusichern, falls der Ehemann vorzeitig das Zeitliche segnet. Meistens hat der Bräutigam seiner Braut am Morgen nach der Hochzeit ein Stück Land geschenkt. Dieser Hochzeitsbrauch ist in Kärnten heute in abgewandelter Form noch sehr verbreitet. An die Männer: keine Angst, ihr müsst kein Landstück mehr verschenken. Ein edles Schmuckstück wie zum Beispiel eine Perlenkette reicht aus!😉

Unser Tipp: Die Morgengabe ist unserer Meinung nach der schönste Brauch. Zelebriert sie ruhig ein bisschen. Auch dein Ehemann freut sich über eine kleine Aufmerksamkeit am Morgen danach 😉.